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Wer Ostern kennt...

Ostern 2026

"Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ – Dieser Satz von Dietrich Bonhoeffer stößt an. Denn wer ehrlich hinsieht, weiß: Verzweiflung ist real – auch unter Christen.
Wir leben in einer Zeit, in der Krisen sich überlagern: Kriege erschüttern ganze Regionen, politische Spannungen wachsen, Gesellschaften driften auseinander. Dazu kommen die leisen, oft unsichtbaren Kämpfe: Einsamkeit, Angst vor der Zukunft, zerbrechende Beziehungen, innere Leere. Auch der Glaube schützt nicht davor, an Grenzen zu stoßen. Viele kennen Ostern – und ringen dennoch mit Dunkelheit.
Und doch: Bonhoeffer war kein naiver Träumer. Sein Leben führte ihn mitten hinein in Leid, Schuldgeschichte und letztlich in den Tod im Konzentrationslager. Gerade deshalb bekommen seine Worte Gewicht. Kurz vor seiner Hinrichtung sagte er: „Das ist das Ende. Für mich aber der Beginn des Lebens.“
Hier liegt der Schlüssel: Ostern ist kein Versprechen, dass wir nie verzweifeln. Es ist die Zusage, dass die Verzweiflung nicht das letzte Wort behält.
Wer Ostern kennt, kennt nicht die Abwesenheit von Dunkelheit – sondern die Gegenwart eines Lichts, das selbst im tiefsten Dunkel nicht erlischt. „Ich bin das Licht der Welt." "Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Glaubst du das?“ sagt Jesus im Johannes-Evangelium (Joh 8,12 & Joh 11,26).
In einer Welt, die von Unsicherheit geprägt ist, bedeutet das: Hoffnung ist nicht Optimismus. Sie ist Vertrauen gegen den Augenschein. Sie wächst nicht aus stabilen Umständen, sondern aus der Treue Gottes – selbst dort, wo alles zerbricht.
Das leere Grab ist deshalb kein fernes Symbol, sondern eine lebendige Zumutung: Es widerspricht allem, was wir für endgültig halten. Es stellt sich gegen den Tod, gegen Resignation, gegen die scheinbare Macht des Bösen.
Ostern sagt: Es gibt ein „Dennoch“ Gottes über unserem Leben.
Ein Dennoch über Leid.
Ein Dennoch über Schuld.
Ein Dennoch sogar über den Tod.
Darum grüßen wir euch heute – nicht leichtfertig, sondern im Wissen um die Brüche dieser Welt und unseres eigenen Herzens:
Der HERR ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden.
Halleluja!

 

Michael Götz und Bertram Unger

 

Frohe und gesegnete Ostern!