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Gott, der Krisenmanager

Gott gebraucht Krisen, um Gutes zu schaffen - persönliches Erleben der Corona-Krise

Schulfrei auf ungewisse Zeit

 

„Coronafrei!“ schallte es an einem Freitag durch die Gänge des Gymnasiums, in dem ich unterrichte. Der Unterton war nicht fröhlich, wie man vermuten könnte, eher verunsichert. Und kurz darauf die Durchsage des Schulleiters: „Ab Montag wird der Präsenzunterricht auf unbestimmte Zeit eingestellt.“ Coronafrei. Das hörte sich für meine Frau und mich mit zwei kleinen Kindern Jonathan (2 Jahre alt) und Magdalena (6 Monate alt) anfangs recht gut an. Als Lehrer mal nicht in die Schule müssen, die Zeit selbst einteilen. Verlockend. Aber es war auch gleich klar, dass coronafrei keinen Urlaub bedeutet, sondern die Schüler über Lernvideos, Videokonferenzen, zu korrigierende Arbeitsaufträge auf andere Art zu unterrichten. Die Schüler sollten ja möglichst gut weiterlernen können. Gott sei Dank war ich im Erstellen von Lernvideos schon geübt und auch Videokonferenzen waren für mich nichts Neues.

Kinder betreuen ohne Hilfe

 

Anfangs war es richtig schön im Homeoffice zu arbeiten und bei jedem Essen mit der Familie am Tisch zu sitzen und die häusliche Gemeinschaft zu genießen. Aber die eigenen Kinder wollten natürlich auch sonst unterhalten werden. Für Jonathan war es nicht leicht zu verstehen, dass Papa in seinem Arbeitszimmer am Computer redet und er selbst nicht dabei sein darf. Überhaupt war die gute und für uns Eltern sehr entspannende Praxis, dass die Großeltern jede Woche mal zu Besuch waren, um auf die Kinder aufzupassen, nicht mehr möglich. Die geliebten Großeltern mussten besonders geschützt werden und so durften wir uns 8 Wochen lang gar nicht sehen. Ein Segen, dass meine Frau noch in Elternzeit ist! Wie muss es z.B. arbeitenden Alleinerziehenden gerade gehen? Unvorstellbar für mich. Natürlich war ich jetzt auch in der Kinderbetreuung mehr gefragt als sonst. Das war zwar manchmal anstrengend, aber auch oft eine große Freude, so viel und intensiv Zeit mit den Kindern zu verbringen.

Geschlossene Spielplätze

 

Wie viel unsere Magdalena mit ihrem halben Jahr von den besonderen Umständen mitgekriegt hat, wissen wir nicht. Aber Jonathan warf bei jedem Spaziergang, jeder Fahrradtour mit dem neu erworbenen Fahrradanhänger einen sehnsüchtigen Blick auf die mit Absperrband geschlossenen Spielplätze. „Macht der Spielplatz morgen wieder auf, Mama? Wann darf ich wieder mit meinen Jungs und Mädels spielen?“ Das war und ist es, was Jonathan am allermeisten vermisst hat: seine Freunde und das gemeinsame Spielen mit ihnen.

Glaubensleben in der Krise

 

Auch wenn keine herkömmlichen Gottesdienste und Gemeindetreffen, wie Hauskreise, Krabbelgruppe oder Mitarbeiterkreis stattfinden durften, fühlten wir uns weiter im Gebet verbunden mit den CVJMern in Coburg. Große Online-Aktionen wie „Deutschland betet gemeinsam“ oder die Übertragung der Pfingsttagung aus Bobengrün verfolgten wir gemeinsam und kamen wöchentlichen zu Zoom-Gebetstreffen und in Zoom-Hauskreisen zusammen. Ich merkte schnell, dass Gott auch und gerade diese Krise gebraucht, um Gutes zu schaffen. So freute ich mich nicht nur über die geschenkte intensive Familienzeit mit meinen Kindern, sondern auch über die vielen Online-Gottesdienste und weitere kreativen Formen, Gemeinde zu leben. Wir konnten z.B. über Zoom unser nächstes Projekt für Familien, Kirche Kunterbunt in St. Moriz zu veranstalten, sehr gut vorbereiten. Aber auch die geschenkte Zeit ohne Alltagstrubel, still vor Gott zu werden und über Dinge dankbar zu sein, die man sonst als selbstverständlich hinnimmt sowie neu darüber nachzudenken, was mir wirklich wichtig im Leben ist, war sehr wertvoll. Zudem haben sich meine Frau und ich dazu entschieden abwechselnd (weil ja der jeweils andere auf die Kinder aufpassen musste) an einer zweimonatigen Online-Kurzbibelschule teilzunehmen. Jeden Montag und Donnerstag lernten wir bei der vom CVJM Bayern angebotenen Veranstaltung mit ca. 100 Teilnehmern viel über die Bücher des neuen Testaments. Eine sehr wertvolle Glaubenserfahrung ist das für uns gewesen.

Bertram Unger

Durch Nächstenliebe selbst beschenkt

 

Aber wir wussten auch, dass wir als Christen und junge, nicht so gefährdete Menschen in der Pflicht stehen, hilfsbedürftigen Menschen zu helfen. Wir sind durch den Glauben an Jesus Christus so reich beschenkt, dass es uns ein Herzensanliegen ist, diesen nicht nur im Wort sondern auch durch die Tat weiterzugeben. Deshalb war es uns ein Herzensanliegen, älteren, stärker gefährdeten Menschen zu helfen. Mit den CVJMern und in Kooperation mit St. Moriz starteten wir ein kleines Hilfsprojekt. Johanna und ich durften für zwei ältere Damen einkaufen. Überaus dankbar nahmen sie Woche für Woche ihre exakt beschriebenen, bescheidenen Einkäufe entgegen. Und so wurde schnell am Telefon bei der Bestellung des nächsten Einkaufes nicht mehr nur über die Lebensmittel geredet, sondern auch über die Familie, Gott und die Welt. Obwohl wir ursprünglich ausschließlich geben und helfen wollten, wurden wir letztendlich selbst beschenkt durch geniale Glaubenszeugnisse und hochwertige Spielsachen und Kleidungsstücke für unsere Kinder, die noch auf dem Dachboden einer Dame lagerten, zwar 50 Jahre alt, aber kein bisschen angestaubt.

Langsam zurück zur Normalität

 

Mit der Spielplatzeröffnung nach ca. 2 Monaten ist die Normalität zumindest für Jonathan ein Stück weit wieder zurückgekommen. Auch wenn das anfangs etwas komisch war. Zwar freuen sich Eltern wie Kinder offensichtlich, wieder von Menschen umgeben zu sein. Aber die Unsicherheit bei den Eltern war gerade anfangs groß. Die Kinder spielten einfach nebeneinander im Sand ohne den gebotenen Abstand. Anfangs setzten wir Jonathan einen Mundschutz auf. Aber auch ihn störte er nach und nach bei der Kommunikation und beim Atmen. Bald ließen wir ihn auch einfach so wieder spielen, ohne ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Natürlich muss man auf die Kinder achten und zur Vorsicht mahnen, aber man sollte auch Verständnis haben und den Kindern so viel Normalität wie nur möglich einräumen. Denn inwiefern geschlossene Schulen, Kitas, Vereine und allgemein das Kontaktverbot unsere Kinder in diesen Wochen geprägt haben und noch prägen werden, wird man erst mit der Zeit sehen.

Trotz all der Vorsichtsmaßnahmen war es wundervoll, wieder Leute aus einem anderen Haushalt einladen zu dürfen und z.B. wieder die Großeltern sehen zu dürfen. Natürlich war es am Anfang mit Unsicherheit verbunden. Wie begegnet man sich? Normalerweise umarmen wir uns, das lassen wir vorerst lieber. Wie handhaben wir es mit dem Mundschutz? Aber das spielte sich alles schnell ein. Etwas Besonderes und sehr schön war auch die Übertragung der Bobengrüner Jesus-Night im Hof der FeG. Hier durften wir das erste Mal wieder real mit CVJMern und Gemeindegliedern aus der FeG zusammenkommen. Wir sind gespannt, wie es weitergeht, ob wir auf CVJM-Freizeiten im Sommer fahren dürfen und wie sich die Fallzahlen weiter entwickeln. Aber wir sind gewiss und vertrauen darauf, dass unser Gott die Kontrolle hat und neben manchen Schreckensmeldungen auch viel Gutes aus dieser Krise bleiben wird.