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Finger im Ohr...

Sonntag, 26.07.2020

 

Was mich zurzeit tief bewegt, ist folgender – wie ich finde – herausragend lustiger Witz. Also bitte anschnallen:


Sagt der Roboter zur Zapfsäule: „Nehm‘ bitte mal den Finger aus dem Ohr, ich möchte mit dir reden…!“


Okay, ich gebe zu, die Reaktionen auf diesen Ulk fielen bislang recht durchwachsen aus, was mir jedoch völlig unverständlich ist. Aber gut, in Sachen Geschmack und Humor sind Menschen eben unterschiedlich und darüber lässt sich bekanntlich nicht streiten. Aber mal abgesehen vom Unterhaltungslevel dieses Scherzes, steckt doch auch ein bisschen Wahrheit darin.


Wie oft habe ich den Finger im Ohr stecken – natürlich im übertragenem Sinne. Wie oft bin ich nur auf mich fixiert, habe nur noch den Blick für die Probleme um mich herum, habe Sorgen, die keine anderen Gedanken mehr zulassen, sehe nur noch die vielleicht scheinbar ausweglose Situation, in der ich mich befinde. Oder versuche nur aus eigener Kraft mich aus dieser Lage herauszuwinden. Und dabei ist da Einer, der mir etwas zu sagen hat. Der mir sogar noch seine Hilfe anbieten möchte, der nur das Beste für mich im Sinn hat und sich nichts sehnlicher wünscht, als dass ich endlich den Finger aus dem Ohr nehme und in Kontakt mit ihm trete.

Ich habe das vor Kurzem so erlebt. Bis Mitte letzten Jahres habe ich in Bayreuth studiert und bin dann zu meiner Verlobten nach Coburg gezogen. Ich hatte immer angenommen, als Ingenieur kann es ja nicht so schwierig sein einen Job zu finden. Schließlich herrscht ja seit Menschengedenken Fachkräftemangel und jedes Unternehmen wartet nur darauf einen hochqualifizierten Absolventen mit Kusshand bei sich willkommen zu heißen. Aber das ganze Unterfangen stellte sich dann doch als etwas langwieriger heraus…


Über ein halbes Jahr habe ich Bewerbungen geschrieben. Und eine Absage nach der anderen kassiert – insofern ich überhaupt eine Rückmeldung erhalten habe. Und irgendwann macht sich dann doch, ob man will oder nicht, der ein oder andere Zweifel breit. Ist Coburg der richtige Ort? Sollte ich mich unabhängig vom Wohnort nach Stellenangeboten umsehen? Habe ich das falsche studiert? Sind meine Noten zu schlecht? Hätte ich noch mehr Zeit in Praktika investieren sollen? Oder machen meine Bewerbungsunterlagen einfach nur einen inkompetenten Eindruck…

Aber während all dieser Zeit habe ich immer wieder versucht den Finger aus dem Ohr zu ziehen und auf diesen Einen zu hören, der mir etwas zu sagen hat. Unter anderem Folgendes:


Und ich werde euch so viel Gutes erweisen wie nie zuvor. Daran sollt ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Hesekiel 36:11


Natürlich habe ich zu dem Zeitpunkt nicht gewusst, was das konkret für mich bedeuten soll. Aber ein roter Faden, der sich durch die gesamte Bibel zieht, ist Gottes Fürsorge für diejenigen, die ihm vertrauen. So wie es auch der Schreiber dieses Psalms formuliert: 


Überlasse alle deine Sorgen dem Herrn! Er wird dich wieder aufrichten: niemals lässt er den scheitern, der treu zu ihm steht. Psalm 55:23


Und ich habe versucht es wie Micha zu halten. Auch er war damals schier am Verzweifeln angesichts der Scheiße, die das Volk Israel abgezogen hat. Er hatte einfach keinen Bock mehr auf den ganzen Mist. Doch trotz all dessen hält er an dem Einen fest, der in jeder Situation Halt geben kann: 


Doch ich verlasse mich auf den Herrn, ich warte auf seine Hilfe. Ja, mein Gott wird mich erhören! Micha 7:7

Gottes Eingreifen ist zwar immer noch eine Frage der Zeit, was immer noch schwer zu ertragen ist, aber ihn auf meiner Seite zu wissen, hat mir viel Kraft gegeben und mir die Sorge genommen. Er wird es schon richtig machen! Er schließt zwar Türen, dafür öffnet er aber wieder welche. Und vor allem bin ich bei Gott gut genug, ich muss nichts Außergewöhnliches leisten, mich nicht von Mitbewerbern absetzen oder mich in einem besonders vorteilhaften Licht selbst präsentieren, sondern darf einfach so sein wie ich bin.


Und was soll ich sagen: seit Mitte März hat das Bewerben ein Ende. Ich habe einen Job gefunden, und zwar gerade noch bevor die allgemeine Situation mit Corona ausgeartet ist, was das ganze Unterfangen der Jobsuche natürlich nochmals nicht unerheblich erschwert hätte. Und das Beste daran ist, dass ich (bislang) das Gefühl habe, dass es der richtige Ort für mich ist. Am Umfeld und der Tätigkeit selbst gibt es nahezu nichts auszusetzen und ich hätte den Arbeitsplatz, selbst wenn ich massig Auswahl gehabt hätte, kaum besser treffen können.

 

Mir ist natürlich bewusst, dass dieses Eingreifen Gottes ein sehr subjektives Erleben ist. Vielleicht leidest du aktuell unter der Corona-Krise, weil du deine Arbeitsstelle verloren hast. Machst dir Sorgen wie es weitergehen soll oder steckst anderweitig in einer verzwickten Situation und fragst dich, wo sein Eingreifen bleibt. Warum er das alles zulässt.

 

Auf diese Fragen habe ich leider keine Antwort. Aber vielleicht macht dir meine kleine Geschichte etwas Mut. Oder ermuntert dich mal wieder dazu den Finger aus dem Ohr zu nehmen und auf Gottes Stimme zu hören. Werfe mal einen Blick in die Bibel und entdecke, welche Zusagen er für seine Leute bereithält. Es verändert vielleicht nicht sofort deine Situation, aber es hilft mit ihr umzugehen. Und es nimmt etwas von dem Druck, der auf dir liegt – du musst die Last nicht allein tragen, er möchte dir dabei helfen. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass sich das Auf-Gott-Vertrauen immer lohnt.

 

Franz Bayer